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Salzburg: Die Kirchenstadt und ihre Osterbräuche

Die von der UNESCO ausgezeichnete Salzburger Altstadt ist geprägt durch eine tausendjährige Regentschaft der Fürsterzbischöfe und deren Erbe. Neben der einzigartigen Architektur, der Kirchenmusik, den (Wallfahrts-)Kirchen, Klöstern und Pilgerwegen durch die Stadt wird in Salzburg großer Wert auf religiöses Brauchtum gelegt.

Vor allem in der Zeit um  Ostern ist Religion auf authentische Art und Weise erlebbar. Am Palmsonntag steht die Weihe der selbst gebundene Palmbuschen auf der Tagesordnung. Sie erinnern an die Palmwedel, mit denen Jesus in Jerusalem begrüßt wurde.

Vor der Haustür oder auf dem Feld soll der Palmbuschen die Bewohner des Hauses vor Krankheiten schützen oder reiche Ernte bringen.

Ein weiterer alpenländischer Brauch sind die selbstgefärbten Ostereier und die am Gründonnerstag gelegten „Antlass-Eier“. Die „Antlass-Eier“ galten lange Zeit als Glücksbringer und sind noch heute fester Bestandteil der österlichen Speisenweihe. www.salzburg.info/kirchenstadt

Mariä Himmelfahrt am 15. August in Salzburg

„Mariä Himmelfahrt“ gehört als eines der ältesten Marienfeste zu den religiösen Hauptfesten des Jahres und wird von der katholischen Kirche am 15. August gefeiert. „Das Fest wird auch von russisch- und georgisch-orthodoxen Kirchen als Entschlafung oder Dormition am 15. August nach dem alten Kalender bzw. am 28. August nach dem neuen Kalender begangen. Die Syrisch-Orthodoxen feiern den Hinübergang Mariä, und auch die maronitische Kirche feiert am 15. August„, erklärte Dr. Ulrike Kammerhofer vom Salzburger Landesinstitut für Volkskunde am August 2012.

In Österreich wird dieser Tag auch als „Hohe Frautag“ oder „Große Frauentag“ bezeichnet und seit 1.500 Jahren gefeiert. Er war ab 582 weit verbreitet und wurde vom Kirchenlehrer, dem heiligen Kyrill von Alexandrien, eingeführt. Auch der Gelehrte Beda Venerabilis und die Synode von Salzburg-Freysing, erwähnen das Fest.

Die Segnung der Kräuter zu Mariä Himmelfahrt

Die volkstümlich genannte Kräuterweihe, eigentlich handelt es sich hier um eine Segnung, ist in deutschsprachigen Ländern seit dem 10. Jahrhundert urkundlich belegt“, so Kammerhofer.

Die Kräuter sind bis heute ein Symbol weiblicher Fürsorge für die Familie. Rund um Mariä Himmelfahrt stehen viele heilkräftige Kräuter in der Hochblüte. Sie sollten im Laufe der Geschichte gegen alle möglichen Verzauberungen und Krankheiten helfen sowie Eheglück und Kindersegen herbeiführen.

So flehen etwa Gläubige mit dem „Frauenbuschen“ wie mit Litaneien und Liedern: „Bitt’ Gott für uns Maria!“ Der Kräuterbuschen wird oft im Ganzen getrocknet und im Herrgottswinkel aufbewahrt. Viele Menschen werfen bei Unwettern Blätter ins Herdfeuer oder zerreiben sie zwischen den Fingern. Kranken Menschen kann man davon kleine Anteile in einen Tee geben.

Auch dem leidenden Vieh wird davon etwas unter das Futter gemischt. Mit Weihrauch, Palmkätzchen von der Palmweihe und Birkenblättern von Fronleichnam vermischt wird er zum Räuchern verwendet. „Segensbräuche sind eine traditionell vertraute Form der Trostsuche in beängstigenden Situationen. Es wäre zu einfach, sie als Aberglaube abzutun“, so Kammerhofer.

In den „Wurzbuschen“ werden Gewürz- und Heilpflanzen gebunden. Diese blühen im August auf Wiesen, im Wald und im Hausgarten und werden für Küche und Hausmedizin getrocknet. Häufig sind es Arnika, Baldrian, Benediktenkraut, Dost (Majoran), Estragon, Frauenmantel, Johanniskraut, Kamille, Königskerze, Mariendistel, Melisse, Pfefferminze, Preiselbeer- und Heidelbeerkraut, Ringelblume, Salbei, Schafgarbe, Spitzwegerich, Taubnessel, Tausendguldenkraut, Thymian, Wermut und Getreide.

Der dicht und rund gebundene „Neunerbuschen“ besteht in Salzburg z. B. aus Johanniskraut, Schafgarbe, Baldrian, Arnika, Königskerze (in der Mitte), Kamille, Wermut, Pfefferminze und Tausendguldenkraut. „Gerne wird eine als magisch geltende Zahl an Kräutern, meist sieben, neun oder drei mal neun, verwendet“, so Kammerhofer, „und im Mittelalter waren viele Blumen Symbole für die Eigenschaften Mariens, sie selber wurde als duftende Blume und Garten der Tugenden gerühmt und gemalt.“

Darstellungen der Gottesmutter Maria

Maria wird meist in Weiß als Symbol der Unschuld und mit Blau als Zeichen des Himmels sowie mit Rot als Symbol der barmherzigen Liebe dargestellt. Die „Aufnahme in den Himmel“ zeigt oft die aufschwebende junge Maria, die von Engeln begleitet und von Gottvater und Christus in den Wolken erwartet wird. Ältere Darstellungen bilden darunter das Sterbelager umgeben von Aposteln oder das Haus der Maria ab.

Quelle: Landeskorrespondenz Salzburg

Salzburg: christliche und jüdische Kirchen feiern ein fast gemeinsames Osterfest

2012 feiern die meisten orthodoxen beziehungsweise byzantinischen wie die römischen beziehungsweise westlichen Kirchen sowie die Juden das Osterfest zum selben Termin, am 8. und 9. April 2012. In einem Vergleich zeigen sich gemeinsame Wurzeln und vielerlei Zusammenhänge der Bräuche, wie im Kalender der Religionen der Salzburger Volkskultur nachzulesen ist.

Als Frühlingsfest weist Ostern besonders auf den Neuanfang hin. Seine Gestaltung unterlag vielen Wandlungen. Vorbild für das christliche Osterfest war das jüdische Pessach (Passah-Fest), das am 14. Nissan nach dem babylonischen Mondkalender gefeiert wird. So ist auch das christliche Ostern ein bewegliches Fest, das auf den Sonntag nach dem Frühlingsvollmond fällt. So hat es das Konzil von Nizäa (2. Session) im Jahre 325 nach Christus festgelegt.

Schon im 2. Jahrhundert hatte sich ein Gedenken an das Leiden Christi entwickelt. Bald kamen die nächtliche Feier, die Taufnacht und ab dem 4. Jahrhundert die Auferstehungsfeier dazu.

Gedenken an den Exodus

Das jüdische Pessachfest gedenkt des Auszugs der Juden aus der Gefangenschaft in Ägypten, wie er im Alten Testament, 5. Buch Mose, Exodus, beschrieben wird. Es wird heuer vom 7. bis zum 14. April gefeiert. Am Sederabend wird die Geschichte des Auszugs aus Ägypten, die Pessach-Haggada gelesen. Diese Geschichte hören die Christen an den Kartagen.

Denn der Exodus gilt den Christen als Vorläufergeschichte zum Erlösungswerk, weil er den Aufbruch des erwählten Volkes ins Gelobte Land erzählt. Das Ostergeschehen wird im Neuen Testament unter anderem in allen vier Evangelien berichtet.

Andere Kalender, andere Sitten

Die Orthodoxe Kirche (orthodox bedeutet: die richtige Lehre, Trennung von der Römischen Kirche im Jahr 1054) berücksichtigt die gregorianische Kalenderreform nicht durchgehend (Alter beziehungsweise ab 1923/1924 Neuer Kalender der Orthodoxen Kirchen).

Daher differieren die Termine des orthodoxen beziehungsweise byzantinischen beziehungsweise griechischen Osterfestes in manchen Jahren zu jenen der westlich-christlichen Kirchen. 2012 wird das Osterfest nach dem gregorianischen Kalender am 8. April 2012 gefeiert und nach dem julianischen Kalender (unter anderem der russischen, griechischen, serbischen und rumänischen Kirchen) am 2. April 2012, das ist der 15. April nach dem gregorianischen Kalender.

Hauptfest des Jahres

Ostern ist für das gesamte Christentum das Hauptfest des Jahres und das Bekenntnis zu zentralen Glaubensinhalten, die im Glaubensbekenntnis seit dem 4. Jahrhundert formuliert sind. Dazu gehört der Glaube an die Auferstehung und Himmelfahrt von Jesus Christus, dem Gottessohn, der Glaube an das ewige Leben, an die Erlösung der Menschheit von der Erbsünde und die Auferstehung von den Toten.

Das für den österreichisch-bayerischen Raum typische katholische Kirchenlied „Der Heiland ist erstanden, befreit von Todesbanden“ bringt das Osterwunder freudig zum Ausdruck. Die West- und Ostkirchen verwenden die Botschaft des Engels an die Frauen beim leeren Grab „Christus ist wahrhaft auferstanden„. Viele evangelische Gemeinden singen das traditionelle Osterlied „Christ lag in Todesbanden“ von Martin Luther.

Der Kalender der Religionen im Lande Salzburg des Salzburger Landesinstituts für Volkskunde fasst staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften, deren Mitglieder im Land Salzburg mehr als 0,01 Prozent der Bevölkerung ausmachen, zusammen. Als Grundlage dienen die Volkszählung von 2001 und die Anpassungswerte für Salzburg von 2008.

Quelle: Landeskorrespondenz Salzburg